Gedanken, Geschichten, Ansichten und Einsichten.


Hinweis: Die Gestaltung wurde mit Rücksicht auf unterschiedliche Bildschirmauflösungen und Ausgabemedien, sowie auf sehbehinderte Besucher ausschließlich auf Basis von Cascading Style Sheets realisiert. Da Sie CSS deaktiviert haben, oder einen Browser benutzt, der diese nicht oder nur teilweise umsetzen kann, müssen Sie leider auf Gestalterisches und auf eine besucherfreundlichere Anordnung der einzelnen Abschnitte weit gehend verzichten. Die Textinhalt sind allerdings ohne Einschränkungen auch ohne CSS zugänglich.


Mittwoch, 14.10.2009

Buchmessiges

Wir sind Literatur!

Auf diese oder eine ähnlich lautende Schlagzeile der Bild-Zeitung werden wir dieser Tage wohl verzichten müssen. Denn mit einer solchen Formulierung würde sich das Schmuddelblatt des deutschen Journalismus unweigerlich der gerechtfertigten Diskussion aussetzen, wer mit »wir« gemeint sein soll: Deutschland, wie in »Wir sind Papst!«? Oder doch das Blättchen selbst, das nun wahrlich nicht durch literarischen Anspruch glänzt?

Also nehme ich der Bild diese Titelzeile weg. Denn als ausgewiesener literarischer Besserwisser kann ich es mir leisten, der eigenen Götterdämmerung ins Auge zu blicken und mich als Literaturbanause beschimpfen zu lassen, falls dies jemand vor hat.

Es begab sich nämlich dieser Tage, dass zwei deutsche Frauen mit den höchsten Weihen der Literaturwelt bedacht wurden. Diese Tatsache ist allerdings keinesfalls als kulturelles Ereignis auf Alltagsniveau zu bezeichnen. So merkte zuletzt die Nachbarin von Frau Wiesenraute – zu Recht – an, dass sie »Herta Müller« für eine Figur aus den Texten von Loriot gehalten habe.
 
Herta Müller und Kathrin Schmidt

Herta Müller und Kathrin Schmidt: Zwei Autorinnen, deren Namen in der Tat Badewannenszenen mit Gummiente in Erinnerung rufen, haben zum einen den Literaturnobelpreis und zum anderen den Deutschen Buchpreis verliehen bekommen.

Von beiden habe ich bisher nichts gelesen. Aber ich zähle schon meinen letzten Kröten, um mir demnächst Exemplare der Atemschaukel und von Du stirbst nicht zu besorgen. Ich halte nämlich diese beiden Preisverleihungen für äußerst bemerkenswert, auch wenn sie zum Beispiel der Mädchenmannschaft bislang keine Randnotiz wert war: Zwei Frauen werden mit dem renommiertesten internationalen und dem bekanntesten deutschen Literaturpreis ausgezeichnet!

Das allgemeine Gehacke um die Berechtigung dieser Verleihungen möchte ich lieber nicht kommentieren. Empörung bricht ja immer aus; etwa weil Schriftsteller wie der ewige Aspirant Philip Roth noch immer nicht bedacht wurden, oder weil es für andere längst zu spät ist. Auch die Diskussion darüber, ob es einem Skandal gleichkomme, dass den Deutschen Buchpreis nicht die frisch gekürte Trägerin des Nobelpreises erhalten habe, weil sie doch ihren Mitbewerbern in Hinblick auf literarische Substanz meilenweit überlegen sei, lässt mich kalt.

Das Mäkeln mag ja aus Sicht der Koryphäen durchaus seine Berechtigung haben. Ich selbst freue mich nach Leseproben schon sehr auf Herta Müller, während auch ich der der Lektüre von Katrin Schmidt wegen der nachgesagten Nüchternheit à la Katharina Hacker, Trägerin des Deutschen Buchpreises 2006, im direkten Vergleich eher skeptisch gegenüber stehe.

Dennoch halte ich die Entscheidungen beider Jurys für richtig. Für »begrüßenswert«, so würden es korrekte Politiker mit Stock am Steiß ausdrücken. Denn was hätten wir gewonnen, wenn endlich gar Herr Roth genobelt worden wäre und Frau Müller unkommentiert den deutschen Buchpreis abgeholt hätte? — Richtig, nichts hätten wir gewonnen außer ein paar politisch korrekte Stock-Steiß-Entscheidungen.
 

Aber bildet Euch doch am Liebsten Eure eigenen Meinungen. Genügend Links dazu habe ich Euch doch hoffentlich hier hinterlassen.

»Wir sind Literatur!«

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1255500001

Kommentare

west47?

Link zu diesem Kommentar west47, 16.10.2009 um 18:54 h:

Für die Nobelpreisträgerin brauchst Du keine Kröten, sondern Glück beim Gratis-Download auf http://download-days.libreka.de/
Ich in .at bin da leider ausgeschlosssen!

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 17.10.2009 um 10:59 h:

Is' ja irre: Das hat tatsächlich funktioniert. (Danke für den Tipp, West47!)

Man muss zwar erst so ein Adobe-Progrämmchen installieren und dann bekommt man den Schinken nur als DRM-geschützten Datenhaufen; aber einem geschenkten Gaul braucht man ja nicht unbedingt auf den Zahnbelag zu schauen.

Wo ist mein Kindle?

Kommentar abgeben: