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Dienstag, 20.10.2009

Mitlesen

Atemschaukel (4)

Holz und Watte, Aufregende Zeiten, Vom Fahren, Von strengen Menschen, Eintropfenzuvielglück für Irma Pfeifer

« Zurück zum dritten Teil

Wir gehen ins zweite Sechstel des Romans von Herta Müller. Seite 50. Es geht um Holz, um Gummi und um Watte. Also um die Kleidung der Zwangsarbeiter im Lager. »Die Gummigaloschen waren ein Luxus.« Aber die meisten Arbeiter trugen nur Holzbrettchen mit Obermaterial aus Sackleinen an den Füßen. Wie man diese Schuhe trägt und optimiert, erfahren wir in aller Ausführlichkeit im sechsten Romankapitel.

Auch das Thema Oberbekleidung der Lagerinsaßen wird im Detail behandelt. Wir wissen jetzt: Watte saugt sich bei Nässe voll.
 

Ich bin ein wenig übersättigt, jetzt. Frau Müller, ich weiß Ihre Detailkenntnis wohl zu schätzen, aber könnten Sie nicht mal ein bisschen hinmachen?

Einziger Lichtblick in diesem Kapitel mit Fantasiepotenzial ist Bea Zakel, Geliebte des Kapos Tur Prikulitsch. Sie hat sich scheinbar hochgeschlafen und ist Herrin über die Kleidung der Deportierten. Bea genießt gewisse Privilegien: »Sie selbst trug gute Halbschuhe aus Leder, und wenn es eisig kalt war, Filzstiefel. Wenn sie durch den Dreck laufen musste, zog sie Gummigaloschen drüber.«
 
 
~ Aufregende Zeiten ~

Wir sind nun offensichtlich angekommen im humoristischen Teil des Romans. Zunächst eine Rückblende ins Familienleben Leos, Jahre vor dem Russenlager: »Tatatataaa!« Die Sondermeldungen zum Polenkrieg der Nazis werden im Radio durch Beethoven angekündigt, der Vater markiert den Feldzug mit selbst gebastelten Fähnchen auf einer Landkarte. Familiäres Morgenturnen nach Radioklängen.

Zeitblende. Im Arbeitslager doziert ein russischer Offizier über die Vorteile der »fusischen Kultur«, der »FUSSKULTUR«, und meint eigentlich physische Kultur, weil im russischen das Y als U ausgesprochen wird, haha, wie witzig!

Und nochmal zurück in die Vergangenheit, als die NS in Rumänien Einzug hält. Familiengeschichten, Krach mit einquartierten Soldaten, die der Mutter nachstellen. Nichts Weltbewegendes.

Leider ist festzuhalten, dass von der Ehrfurcht heischenden Sprachgewandtheit der ersten müllerschen Kapitel hier nicht mehr allzu viel übrig geblieben ist. Von aufregenden Zeiten zumindest keine Spur im siebenten Kapitel. Hm.


~ Vom Fahren ~
~ Von strengen Menschen ~
~ Eintropfenzuvielglück für Irma Pfeifer ~

Jetzt gehen wir einmal ein bisschen schneller voran. Es passiert ja auch nicht viel. Stimmungsbilder und Situationen ohne Griff, sich daran festzuhalten.

Von Arbeitseinsätzen außerhalb des Lagers ist die Rede, und Bea Zakel wird vorgestellt, von der schon einmal die Rede war als Vorsteherin der Kleiderkammer und als Geliebte des Kapo. Dann stirbt eine der Lagerinsaßen, Irma Pfeifer, und man weiß nicht, ob sie sich selbst in den Mörtelsee auf der Baustelle gestürzt hat oder nicht.

Was von Irma im Gedächtnis hängen bleibt ist bloß dieses merkwürdige Wortkonstrukt: »Eintropfenzuvielglück« aus der Kapitelüberschrift. Man möchte meinen, dass es für Zwangsarbeiter besser wäre zu sterben, als das Entsetzliche weiter ertragen zu müssen. Allein, das Entsetzliche ist nicht greifbar.

Herta Müller hat mich abgehängt. Seite siebzig, Ende des zehnten Kapitels. Ich habe kein unbedingt zu vermittelndes Textzitat zu bieten.

Weiter zum fünften Teil »

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1256018401

Kommentare

Link zu diesem Kommentar Frau Muschel, 20.10.2009 um 11:40 h:

.....Hat dich abgehängt..?
Du meinst, nun ist Schluss mit deiner gerafften Zusammenfassung für mich geneigte
Zuhörerin/leserin ? Wie schade. =8)
Einen dicken e-Kuss für dich zum Trösten

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 20.10.2009 um 20:45 h:

Aber nicht doch. Ja, Frau Müller hat mich abgehängt; aber ich hopple doch schon längst den herumliegenden losen Romanenden nach, um die Mitlesung fortsetzen zu können.

In Kürze geht es weiter, wie oben angekündigt. (Wäre ja noch schöner.)

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