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Mittwoch, 21.10.2009

Küchengerüch(t)e

Scheppern im Kochtopf

Leidgeprüfte Eltern werden sofort seufzend beipflichten: Es ist über die Jahre und Jahrzehnte nicht durchgehend einfach, dem Nachwuchs tagtäglich ausgewogene, abwechslungsreiche und gleichzeitig gern gegessene Kost zu kredenzen. »Was ist das Grüne da?« gehört zu den meist gefürchteten Fragen der wählerischen Jung-Gourmands an die Küche. Um so erfreulicher ist es, wenn sich die Jungens und Mädels dazu herablassen, statt negativer Instant-Kritik am Nahrungsangebot verbindliche Essenswünsche zu formulieren.

The MenuTochter 3.0, eine leidenschaftliche Listenführerin und angehende Schriftgelehrte, erfreute uns letzthin mit einem Wunschzettel ihrer kulinarischen Gelüste. Angesichts ihres Elans und zarten Alters seien ihr die wenigen Ausrutscher in der Rechtschreibung unbedingt nachgesehen. Es ist doch glasklar, dass mit »gebratener Bakone« nichts anderes als gerösteter Speck gemeint sein kann.
Insider wissen ganz gewiss auch, dass der »Minibernediner« keine ungewöhnlich kleinwüchsige Hunderasse ist, die wir hier womöglich Gott bewahre! auf dem Grill zubereiten, sondern ein kleines Berner Würstchen; also ein Käseknacker im Speckmantel, wie er in jeder deutschen Aldi- oder Lidlfiliale im Sechserpack für wenig Geld käuflich zu erwerben ist.
Der »Toast Bikini« dürfte auch zumindest jedem Spanienurlauber einmal begegnet sein: ein schlichter Schinken-Käse-Toast, den die Iberer gerne diagonal zweiteilen (extrem wichtig für die Kids!), wodurch er dem Unterteil eines Bikinis ähnelt.

Und der Rest des Menüs erschließt sich sowieso jedermann problemlos; jedenfalls bis auf den »Scheperstpai«. Der scheppert keineswegs im Kochtopf, sondern ist ein traditionelles, britisches Resteessen.
Bei uns zu Hause besteht der Shepherd's Pie aus Hackfleisch(resten), extra-cremigem Kartoffelbrei (Butter, viel Butter!) und grob gescheibelten Möhren, die man sofern vom Nachwuchs toleriert zuvor mit Zwiebeln und/oder ein wenig Knoblauch andünsten kann. Die Mischung wird mit geriebenem Käse im Ofen überbacken und erzielt bei Noch-nicht-Teenies jeweils Höchstnoten in der A- und in der B-Bewertung.
 

Warum ich das hier schreibe? Einerseits natürlich, um Sie mit meinen superben Kochkünsten zu beeindrucken. Aber andererseits auch, um Ihnen, als kochblockierten Eltern, eine sorglose Woche zu bereiten. Reichen Sie zu den Gerichten Apfelschorle für die Kinder sowie einen schweren Weißwein für den/die Küchenchef(s).

Guten Appetit!

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1256103930

Kommentare

Link zu diesem Kommentar Frau Muschel, 21.10.2009 um 16:37 h:

Habe richtig Appetit bekommen, beim Lesen.
Wo blieb der -arme Ritter- auf der Liste ?
(getoastete Scheibe Brot in gewürztem Rührei in der Pfanne gewendet)Wahlweise aufgepeppt mit Champignons und/oder Schnittlauch on top oder auf Salatbett serviert,um ein paar Vitamine unterzujubeln....grins.
Jeder mittags kochende Elternteil weiss, wie hungrig die Horde aus der Schule heimkehrender Kinder einfällt und :SOFORT essen will; und womöglich noch ein oder zwei Freunde mitgebracht hat, deren Mutter/Vater nicht mittags etwas Warmes kredenzen kann, weil ganztags berufstätig.
Aber wenn die Kinder dann mit der Schule fertig sind und auswärts leben, erinnert man sich fast ein bischen wehmütig an diese zurückliegenden Zeiten......schnüff

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 21.10.2009 um 23:27 h:

Ich stimme voll zu, Frau Muschel. Nur basiert der »Arme Ritter« in diesem Haushalt auf ungetoastetem Toastbrot, das in einer Ei-Milch-Mischung bis zum elendigen Absaufen getränkt wird, bevor es in die Pfanne wandert. Was ein grausamer Tod!

Link zu diesem Kommentar Frau Muschel, 22.10.2009 um 7:51 h:

warum diese Esskreation -armer Ritter-
genannt wird, habe ich sowieso nie verstanden. Vielleicht wegen des grausamen
,zu erleidenden Todes ? ist so etwas ritterlich zu nennen ? (Ich habe das Rezept 1985 aus Amerika mitgebracht)

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 22.10.2009 um 20:23 h:

Über »Arme Ritter, Rostige Ritter, Fotzelschnitten, Semmelschnitten, Kartäuserklöße, Weckschnitten, Gebackenen Weck, Pofesen, Blinden Fisch oder French Toast« weiß die Wikipedia zu berichten.

Interessant daran ist, dass das erste deutsche Rezept mit dem Titel »Arme Ritter« bereits im 14. Jahrhundert im Buch von guter spyse zu finden war, also längst vor der Entdeckung Amerikas. Ob sich auf deutschem Boden schon damals arme Ritter buchstäblich von Armen Rittern (preiswert) ernährten, ist jedoch scheinbar nicht überliefert.

Link zu diesem Kommentar Frau Muschel, 23.10.2009 um 7:15 h:

gute spyse ist etwas, mit dem man Tochter 3.0 bestimmt eine Freude machen könnte.Sie würde wahrscheinlich vermuten, es handele sich um die Ernährung von Spionen, oder wahlweise um eine lautschriftlich Abnormität der neuen Rechtschreibung....
Dir ein schönes WE.

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