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Samstag, 31.10.2009

Mitlesen

Atemschaukel (9)

Im Weißen unter der Zeile, Der Minkowski-Draht, Schwarze Hunde, Löffel hin Löffel her, Einmal war mein Hungerengel Advokat, Ich habe einen Plan, Der Blechkuss, Der Lauf der Dinge, Weißer Hase, Heimweh. Als ob ich es bräuchte

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»Bei der Mutter um Erwähnung betteln wollte ich nicht. In den zwei verbliebenen Jahren habe ich mich gezwungen, nicht auf die Karte zu antworten. [...] In den zwei verbliebenen lernte ich vom Hungerengel den rauen Stolz.« Leo zerbricht fast an der Nachricht von zu Hause über die Geburt seines Bruders. Täglich hat er das Bild seiner Mutter vor Augen, wie sie den kleinen Robert füttert, während er selbst am Hunger zu Grunde geht.

Der Roman von Herta Müller gleitet nun ab ins Surreale mit der Geschichte über den »Minkowski-Draht«, der über allen Köpfen und sogar Gegenständen steht oder schwebt. Ich überfliege das jetzt, es ist mir ein bisschen zu abgefahren: »Jeder Winkel im Keller hat seinen Draht. [...] Und neben mir auf der Bank schweigt der Alber Gion mit seinem Minkowski-Draht.«. Na gut, so sei es.

Die fünf Folgekapitel erzählen die Geschichte eines Ehepaares, deren Liebe längst erloschen ist und Platz gemacht hat für gehässige Vertrautheit: Der Mann stiehlt seiner Frau das Essen, und die stirbt schließlich. »Alte Ehe macht hungrig, Untreue macht satt.« Eine traurige Episode, die eigentlich vollkommen beiläufig daherkommt, mich aber dennoch arg berührt. Und dann noch das vollkommen absurde Fazit Herta Müllers zum Tod der Ehefrau:
»So ist der Lauf der Dinge: Weil jeder nichts dafür konnte, konnte keiner was dafür.«
 

Oder soll dieser »Lauf der Dinge« gar schon das Resümee zum gesamten Zwangslageraufenthalt sein? Das nächste Kapitel überrascht übergangslos mit einem Rückblick auf das Internierungslager. Ich fühle mich überrumpelt.

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UB

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