Gedanken, Geschichten, Ansichten und Einsichten.


Hinweis: Die Gestaltung wurde mit Rücksicht auf unterschiedliche Bildschirmauflösungen und Ausgabemedien, sowie auf sehbehinderte Besucher ausschließlich auf Basis von Cascading Style Sheets realisiert. Da Sie CSS deaktiviert haben, oder einen Browser benutzt, der diese nicht oder nur teilweise umsetzen kann, müssen Sie leider auf Gestalterisches und auf eine besucherfreundlichere Anordnung der einzelnen Abschnitte weit gehend verzichten. Die Textinhalt sind allerdings ohne Einschränkungen auch ohne CSS zugänglich.


Sonntag, 1.11.2009

Dr. E-Script erklärt die Welt

Über das elektronische Lesen

In meinem ersten Eintrag über die nobelpreisige Atemschaukel von Herta Müller hatte ich es angesprochen: Der Roman war in der Druckausgabe vergriffen; ich hatte jedoch die Gelegenheit, ihn als digitale Variante zum Lesen auf dem Bildschirm kostenlos zu ergattern.

Lesen am Bildschirm mittels eines Progrämmchens namens Adobe Digital Editions, eine neue Erfahrung?
 

Über Geschmack lässt sich streiten. Nach der Installation kommt der E-Reader von Adobe als schnörkellose Anwendung im Anthrazitlook daher, nicht so ganz mein Geschmack. Aber egal.

Der Download des Romans legt sich als winzige Datei mit nur 2 KB Größe und der Endung .acsm auf meine Festplatte. Ein Doppelklick darauf erzeugt auf wundersame Weise und ohne weiteres Zutun einen umfangreichen Eintrag in den Adobe Digital Editions; mit Covergrafik und dem kompletten Romantext. Der Text wird im sogenannten EPUB-Format importiert. Dies ist offensichtlich ein Format mit digitalem Rechtemanagement (DRM).
Zu erkennen ist dieser Umstand daran, dass sich die Buchseiten zwar uneingeschränkt anzeigen und lesen lassen, jedoch sich jedem Versuch widersetzen, sie auszudrucken oder einzelne Passagen per Markierung und copy&paste in andere Anwendungen zu übernehmen. — Sehr lästig beim Zitieren in meiner Mitleseserie!

Zumindest unkomfortabel ist das Blättern im Text. Rechts neben den Textseiten ist ein Scrollbalken angebracht, der einen Schieberegler und vier Pfeile anbietet. Unterschiede zwischen Balken, Regler und Pfeilen erschließen sich nicht. Egal wo man klickt oder schiebt, der Text rutscht immer eine komplette Bildschirmseite vor oder zurück. Stufenloses Scrollen wie in der Textverarbeitung oder anderen PC-Anwendungen gibt es nicht.
Das ist deshalb lästig, weil man nicht lesen und dabei zeilenweise weiterwandern kann, wie man das so von Endlostexten (Webbrowser, Word, PDF, TXT, …) gewohnt ist, sondern immer von der ersten bis zur letzten Zeile einer Anzeigeseite lesen muss und dann erst weiterschalten kann, ohne auf den soeben gelesenen Text nochmals zurückschauen zu können. Von Lesefluss kann also nicht die Rede sein. Auch über die Pfeiltasten der Tastatur kann man nur Seite für Seite vor- und zurückblättern.

Schön ist allerdings, dass man sich den Text frei wählbar in vier Schriftgrößen anzeigen lassen kann, von zweispaltiger Briefmarkenschrift bis zum brillenlosen Großdruck.

Eine Schwäche im Zusammenhang mit der Textdarstellung des Adobe E-Readers betrifft den Zeichensatz. Zwar ist üblicher Standardtext – auch mit Umlauten und ß – problemlos lesbar. Darüber hinaus gehende Sonderzeichen, in diesem Roman zum Beispiel Buchstaben des kyrillischen Alphabets oder geschützte Leer- oder Abstandszeichen, erscheinen als Fragezeichen mitten im Textfluss.

Als nützlich habe ich die Navigation per Lesezeichen empfunden. Man kann beliebig viele Bildschirmseiten mit solchen Lesezeichen markieren. Leider funktionieren die Lesezeichen aber genau wie bei Büchern aus Papier lediglich als Marker für ganze Bildschirmseiten. Textstellen kann man damit nicht punktuell markieren, obwohl gerade das im digitalen Medium eine tolle Sache und ganz einfach zu programmieren wäre.

Richtig geärgert habe ich mich übrigens, nachdem Sir Lamorak, Hauskater 1.0, über die Stromzufuhr stolperte und den schlappen Laptop dadurch augenblicklich in die Knie zwang. Nach Neustart und Aufruf der Adobe Digital Editions waren alle bis dahin gesetzten Lesezeichen im digitalen Nirwana verschwunden; auch die aus früheren Sitzungen.
 

Fazit: Die elektronische Lektüre am Bildschirm ist bislang eine mühselige Angelegenheit. Unkomfortables Umblättern und Programmfehler haben mir das Lesevergnügen verleidet. Adobe müsste noch gewaltig nachbessern, um mich zum Weiterlesen an PehZeh oder Laptop zu bringen. Dazu kommt auch noch der völlig offensichtliche, aber deshalb nicht minder unangenehme Umstand, dass man den elektronischen Schmöker nicht einfach so in der Jacken- oder Handtasche mitnehmen kann. Zu diesem Zweck wäre eine tragbare Lesemaschine eher empfehlenswert, die seit ein paar Tagen auch außerhalb der U.S.A. bei Amazon bestellt werden kann.
 
Kindle für Deutschland

Gegen diesen E-Book-Reader sprechen allerdings ein paar Fakten:
 
1. Der Kaufpreis liegt bei 259 US$, die entsprechen tagesaktuell ungefähr 175 Euro.
2. Dazu kommen der Preis für eine Schutzhülle (30 US$, also 20 Euro) und US-Versandkosten nach Old Europe (27 US$, also 18 Euro)
3. Der Einfuhrzoll liegt laut Amazon bei 62 US$ (42 Euro) und wird bei Bestellung im Internet bereits in Rechnung gestellt.
4. Herr Schäuble will natürlich auch noch seinen Obolus in Form der Einfuhrumsatzsteuer, also 19% auf Warenwert und Versandkosten; da kommen ungefähr 41 Euro oben drauf.
5. Macht summa summarum und aufgerundet so um die 300 Euro, weil schließlich immer noch irgend etwas extra hinzu kommt und der Dollarkurs gerade derzeit keine fixe Größe darstellt.
6. Bis zum heutigen Tage bietet der Amazon-Shop ausschließlich US-Titel auf englisch. Und die werden gegen US$ verkauft. (Mit Kreditkarte über den Kindle? Oder gegen hinterlegte Kreditkartendaten? Ach, wer will das schon so genau wissen.)
7. Alle E-Books aus anderen Quellen müssen über PehZeh und Kabel in den Kindle geladen werden. Ob da meine digitale Atemschaukel auch unterzubringen ist?
Außerdem ist es grundsätzlich eine Zumutung, nach dem Kauf eines derart teures Gerätes an einen einzigen Buchhändler gebunden zu sein. Ich will Amazon nicht heiraten!
8. Die Zukunft in Gestalt des Kindle DX winkt bereits am Horizont hinter der Skyline Manhattans. Kostenpunkt für den Big Brother: derzeit etwa 330 Euro. Und im Moment ist die Kiste auch nur in den U.S.A. zu haben. Aber der Bildschirm ist schon eine Wucht.

Also lieber noch ein paar Jahre abwarten, bis es vernünftige und preiswerte Alternativen gibt.
 

Ich weiß ja nicht, ob Sie's schon wussten, bin aber hoffnungsschwanger, Ihnen weiter geholfen zu haben.

Verbindlichst, Ihr
Dr. E. Script

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1257062401

Kommentare

Link zu diesem Kommentar Frau Muschel, 2.11.2009 um 8:11 h:

UND trotzdem geht doch nichts über ein richtiges
Buch !!

Und alle, die einen Bildschirmarbeitsplatz haben, werden auch zu müde Augen haben , nun noch in der Freizeit per Monitor lesen zu sollen.
(Aber meine Ansicht zum e-book ,ändert eh nichts)

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 3.11.2009 um 22:51 h:

Ja. Auch ich liebe Bücher geradezu. Das Papier, das Umblättern, das Mitnehmen, …

Meine Regale und vor allem Umzugskisten sind voll mit Büchern. Und es werden immer mehr. Notgedrungen miste ich schon aus: Alles, was ich nicht wirklich gern gelesen habe, wandert in die Verkaufsliste zum Beispiel bei Ebay. Und trotzdem kaufe ich immer wieder nach.

Die Erben, auf die beruft man sich gerne. Die Erben werden dereinst eine Bibliothek übernehmen, die sich gewaschen hat. Best of 20th century, sozusagen. Auf Papier.

Trotzdem würde ich manchmal das eine oder andere Buch lieber erst einmal digital lesen. Gerade für mich, der ich ausnahmslos alle Romane mindestens zweimal hintereinander lese, oder sogar dreimal, wäre ein erster Durchgang in digitaler Version wünschenswert.

Aber erst dann, wenn es vernünftige, handhabbare und preiswerte Medien gibt.

Link zu diesem Kommentar Frau Muschel, 4.11.2009 um 7:58 h:

Da bieten sich Weihnachten, oder runde Geburtstage an, um sich dieses Medium zu wünschen.....
Musst Du nur sagen......

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 7.11.2009 um 15:24 h:

Um Himmels Willen, bloß nicht! Trotz aller Faszination will ich diese Kiste nicht haben: »Lieber noch ein paar Jahre abwarten, bis es vernünftige (und preiswerte) Alternativen gibt.«

Ich verweise in diesem Zusammenhang gerne auf den Muschelkommentar ganz oben. Es geht doch nichts über die Haptik eines baummörderischen, raschelseitigen, regalwandbekleidenden Buches.

Link zu diesem Kommentar Frau Muschel, 9.11.2009 um 8:26 h:

Na gut, dann eben nicht
-grins- (schon 'mal 'ne Muschel lächeln gesehen ??)

Kommentar abgeben: