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Dienstag, 8.12.2009

Brave New World

Konsum 2009

Man möchte meinen, dass es im Folgejahr des globalen Wirtschaftscrashs wenige Gründe geben sollte, sich über unangepasstes Konsumentenverhalten aufzuregen. Vor zwei Jahren hatte ich mich noch über Kaufrausch in Sachen Plastiksandalen, iPhones, Spielkonsolen und Knutschmobilen ereifert. Doch nach der Konsumschockstarre in 2008 hätte ich für das nun zu Ende gehende Jahr einen Rückfall in unreflektierte Verhaltensmuster am wenigsten erwartet. Hier hat mir letztlich die Bundesregierung einen Strich durchs Kalkül gemacht.

Deren Rechnung ist nämlich vollständig aufgegangen. Die Automobilbranche hat die Chance der »Abwrackprämie« hundertprozentig genutzt. Sogar die netten Nachbarn, die zuvor über Wochen und Monate an der Energiebilanz ihres Passivhauses herumgerechnet hatten, tauschten im Sommer die betagte Familienkarrosse gegen einen flammneuen, unter vernunftgesteuerter Herangehensweise absolut unkaufbaren VW Touareg. Dessen CO2-Emission von 250 g/km konnte im wahrsten Sinn des Wortes nicht anstinken gegen eine Kaufpreisersparnis im fünfstelligen Eurobereich.

Der Single von gegenüber fährt schon seit Jahren X5er von BMW, deren Zylinderdurchmesser jeden Besitzer von Marmeladeeinkochtöpfen vor Neid erblassen lassen. Und der Kollege in der Fabrik hat überraschende Zusatzeinkünfte in einen Audi Q7 investiert, dessen Tankrechnungen mein Familienbudget selbst ohne jede zusätzliche Ausgabe für Knäckebrot und Margarine ins Schleudern geraten ließen.
 
Wir blasen das Geld raus!

Ich neide den Leuten ihre mühsam ersparten Statusreliquien ja gar nicht. Dass allerdings ein solches Kaufverhalten tatsächlich im Sinne der Erfinder war, bezweifle ich. Womöglich wäre es sinnvoller gewesen, die Abwrackprämie an Bedingungen zu knüpfen wie etwa alternative Antriebsarten oder minimale Schadstoffemissionen?

Denn jetzt kämpft die »Klimakanzlerin« in Kopenhagen auf verlorenem Posten um das Einsehen anderer Regierungen, feilscht um Grenzwerte und Meilensteine, während zu Hause bei Michels die verchromten Spritschleudern in den Auffahrten stehen, deren Erbauer sich erleichtert die Schweißperlen von den Stirnen wischen. — Wer kann und will Frau Merkel da noch ernst nehmen?
 

Vielleicht sollte man doch in bewährter Greenpeace-Manier Front gegen automobile Potenzprotze machen? Wir müssten uns ja nicht unbedingt auf den Kühlerhauben von PS-Panzern anketten und in Hungerstreik treten.

Eventuell reicht ja schon ein beherztes Wort? So wie es einem Bekannten nun schon zum zweiten Mal widerfuhr: Als er unlängst seinen gigantomanischen Asphaltpflug besteigen wollte, hielt eine japanische Klapperkiste neben ihm und Fahrer wie Beifahrer beschimpften ihn lautstark und wortreich, unter anderem als »widerliche Umweltsau«.

Der Mann hat seinen erst drei Jahre alte Geländeschlitten inzwischen unter erheblichen finanziellen Verlusten verscherbelt und hoch und heilig gelobt, von nun an niemals mehr als siebzig PS auf die Straßen zu bringen.

Das war ihm seine Seelenruhe wert.

Übrigens: Zum Thema »Brave New World« gibt es bei E-Script noch weitere 28 Geschichten. Interessiert? — Titelliste einblenden.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1260289163

Kommentare

Exzenter?

Link zu diesem Kommentar Exzenter, 11.12.2009 um 23:10 h:

0-2? Fährt die Merkelwürdige Q7?

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 12.12.2009 um 0:03 h:

Frau Angela Schröder-Merkel nach Genuss der Abwrackprämie. (Eine Collage)

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