Rezensionen, kritische Kommentare und Anmerkungen eines Viellesers zur Gegenwartsliteratur. Man muss schließlich nicht wirklich alles selbst gelesen haben ... =;o)
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8.6.2007

Cover: Nur wenn du mir vertraust

Nur wenn du mir vertraust - Sommerzeit, Krimizeit: Ein Serienroman um das Ermittlerpaar Gemma James und Duncan Kincaid von Scotland Yard, geschrieben von der US-Amerikanerin Deborah Crombie. Noch vor dem Aufschlagen des Paperbacks werden Erinnerungen wach an das furchtbare Machwerk von Elizabeth George, das ich Ende letzten Jahres verrissen hatte. Schon wieder eine Amerikanerin, die über Kriminalfälle auf der europäischen Insel schreibt? — Doch Frau Crombie entpuppte sich schließlich als erfreuliches Gegenbeispiel; trotz des unsäglichen Romantitels erwies sich Nur wenn du mir vertraust als relativer Glücksgriff in die Krimikiste.

Das Grundrezept, nach dem sowohl Crombie, als auch George ihre Romane anlegten, ist zwar das gleiche. Aber wo die George ins Seichte abgleitet, bleibt Deborah Crombie auf dem Pfad der schriftstellerischen Tugend. Ihre Recherchearbeit erweist sich als erfreulich fundiert, die Schreibe ist flüssig, ohne allzusehr ins Triviale abzugleiten. Auch ihre kriminalistischen Schlussfolgerungen bleiben ohne Fehl und Tadel, die Handlung ist fast durchgehend spannend und wartet zuletzt mit einer schlüssigen, wenn auch nicht unbedingt völlig überraschenden Aufklärung des zu Grunde liegenden Mordfalls auf.

Zur Handlung möchte ich gar nicht viel sagen: Die Protagonistin Gemma James begleitet ihre Freundin Hazel zu einem Kochkurs in die schottischen Highlands. Schnell stellt sich heraus, dass der Kurs nur ein Vorwand war. Tatsächlich wollte Hazel ihre erste große Liebe, den schottischen Whiskeyfabrikanten Brodie wiedersehen. Als dieser ermordet wird, beginnt die Suche nach dem Täter, die die Londoner Kriminalbeamtin James mit Rat und Tat begleitet und letztlich zur Aufklärung führt.

Im ermittlerischen Beitrag von Gemma James – und ein bisschen auch ihres Lebensgefährten Duncan Kincaid – liegt dann allerdings die größte Schwäche des Romans. Was sich vor allem Gemma an küchenkriminalistischer, platter Amtsanmaßung heraus nimmt ohne die konsequente Reaktion der örtlichen Polizei zu erfahren, ist schon ziemlich arg. Kincaid beschränkt sich dankenswerterweise meist auf die Rolle des Zuhörers. Er sorgt eher für die persönliche Komponente, indem er Probleme der Patchworkfamilie Kincaid/James in den Roman einbringt.

Von diesen Minuspunkten einmal abgesehen aber, wartet der Roman durchaus mit ein paar Leckerbissen auf. Zum einen wäre da die zu Grunde liegende, historische Fehde zwischen schottischen Clans, die im Laufe der Geschichte immer klarer herausgearbeitet wird. Dieser Teil der Historie erinnert an eine nordeuropäische Version von Romeo und Julia, wirkt allerdings selten langweilig oder profan. Die Hintergründe webt die Autorin in Form historischer Flashbacks ein, die den Leser zunächst irritieren, dann jedoch ihren eigenen Spannungsbogen finden und als zweiter Handlungsstrang Wirkung entfalten. — Zum zweiten integriert Crombie unauffällig und gekonnt Wissenswertes über Herstellung und geschichtliche Hintergründe des schottischen Whiskeys. Manchmal meint man beim Lesen, den beschriebenen Duft oder Geschmack des Getränks auf der eigenen Zunge zu schmecken. — Gut gemacht!

Ebenso gut kommen auch die Zitate schottischer Literaten an, die die Autorin jedem einzelnen Kapiteln voranstellt und als Hinweise auf den Inhalt vorausschickt. Sehr häufig kommt der Edinburgher Schriftsteller Robert Louis Stevenson zu Wort, dessen Zitate die Kraft haben, stets passende Stimmungen zu transportieren.

Fazit: Die Komposition zwischen Kriminalfall, schottischem Lokalkolorit und ein bisschen Gesellschaftskritik ist nicht schlecht gelungen. Anspruchsvolle Literatur darf der Leser zwar keinesfalls erwarten, aber die Mischung aus Spannung, Unterhaltung und Information ist wenigstens als Urlaubslektüre bestens geeignet. Zwei von möglichen fünf Sternen hat sich die Autorin Deborah Crombie redlich vedient, an den drei Punkten ist sie wegen der erwähnten kriminalistischen Schwächen nur knapp vorbei geschrammt.

Deborah Crombie: Nur wenn du mir vertraust
Goldmann, 2004

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