Rezensionen, kritische Kommentare und Anmerkungen eines Viellesers zur Gegenwartsliteratur. Man muss schließlich nicht wirklich alles selbst gelesen haben ... =;o)
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26.8.2007

Cover: Der 50/50 Killer

Der 50/50 Killer - Wir begleiten Mark Nelson, einen jungen Doktor der Psychologie und Vernehmungsexperten in Echtzeit durch seinen ersten Arbeitstag im Ermittlerteam des englischen Kriminalinspektors John Mercer. Kopfüber hinein stürzen wir uns in den Fall eines Serienmörders, des 50/50 Killer, der sich auf Paare spezialisiert und sich zum Ziel gesetzt hat, die Beziehung zweier Menschen zu zerstören, bevor er zuletzt einen oder gar beide der Partner von der Folter erlöst und umbringt! Ein besonders spannender, äußerst subtiler Thriller des Autors Steve Mosby, der die Ermittler und ebenso die Leser in immer komplexere Verwirrungen stürzt und schließlich in einem unerwarteten und an Dramatik kaum zu überbietenden Finale gipfelt.

Mark Nelson tritt seinen Dienst als Nachfolger eines Kollegen an, der vor einiger Zeit dem Mörder selbst zum Opfer gefallen war. Diese spezielle Problematik ist der Grund für zusätzlichen Druck auf das Ermittlerteam und insbesonders auf dessen Leiter, John Mercer. Unter enormem Erfolgsdruck hetzt dieser seine Beamten durch die Ermittlungen und spielt dadurch unbewusst dem Täter genau die Bälle zu, die dieser braucht, um sein perfides, minutiös geplantes Spiel Schritt für Schritt in Szene zu setzen. Bis zuletzt gelingt es dem Psychopathen, auch Mark Nelson an der Nase herum zu führen und für seine Zwecke einzusetzen und seinem teuflischen Ziel immer näher zu kommen.

Obwohl der Roman in seinem Spannungsbogen dazu verleitet, Seite um Seite in immer höherem Tempo zu verschlingen, ist der Leser gut beraten, sich alle Details der Schlussfolgerungen des Protagonisten Nelson einzuprägen, um der Komplexität der Auflösung folgen zu können. Nur so ist es möglich, die Feinheiten der Konstruktion der Geschichte nachzuverfolgen, die uns der Autor Steve Mosby auftischt. Meine Empfehlung: Nehmen Sie sich genug Zeit, um die Geschichte in Ruhe und trotzdem möglichst am Stück zu lesen und so in den ganzen Genuss des spannungsgeladenen Thrillers zu kommen.

Man kann nicht umhin, Steve Mosby Lob zu zollen für dieses gelungene Beispiel dafür, wie man als Autor einerseits einen wirklich rasanten Echtzeitkrimi konstruiert und andererseits trotzdem all die Hintergrundinformation unterbringt, die die Leser – und natürlich auch der Ich-Erzähler – benötigen, um zu verstehen, was passiert. Mindestens ebenso lobenswert ist die Tatsache, dass Mosby darauf verzichtet, seine Romanfiguren schwarz-weiß zu überzeichnen. Seine Charaktere kommen allesamt so überzeugend und menschlich daher, dass ihre Fehler und Unzulänglichkeiten fast schon wieder schmerzlich sind. Die Geschichte ist nicht nur kriminologisch, sondern auch psychologisch sehr überzeugend.

Fazit: Im Gegensatz zu anderen Beispielen der kriminologischen Literatur überzeugt der 50/50 Killer nicht nur durch seine wohl durchdachte und immer wieder überraschende Handlungsfolge, sondern auch durch die gekonnte Ausführung, die keine offensichtlichen, ärgerlichen Widersprüche in den Schlussfolgerungen enthält. Die Abfolge in Echtzeit sorgt für enorme Leselust und empfiehlt den Roman gleichzeitig als Vorlage für filmische Umsetzung. Krimi- und Thrillerfans sei das Buch unbedingt empfohlen, in Urlaubslaune und möglicherweise unter dem frischen Eindruck sprühender Spannung vergebe ich an den 50/50 Killer gerne mal drei ganz dicke von fünf möglichen Sternen.


(Ich bedanke mich herzlich bei der Buchhandlung Bollinger für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.)

Steve Mosby: Der 50/50 Killer
Droemer/Knaur, 2007

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